Astaxanthin: Das rote Carotinoid aus Mikroalgen erklärt

Astaxanthin: Das rote Carotinoid aus Mikroalgen erklärt

Astaxanthin ist ein natürlich vorkommender rot-oranger Farbstoff aus der Familie der Carotinoide. Es kommt unter anderem in Mikroalgen vor und gelangt über aquatische Nahrungsketten auch in verschiedene Fische und Krebstiere.

Dieser Beitrag erklärt die Herkunft und die chemischen Eigenschaften von Astaxanthin. Außerdem werden Bezeichnungen wie Xanthophyll, Algenbiomasse und Oleoresin sachlich voneinander abgegrenzt.

Was ist Astaxanthin?

Astaxanthin gehört zu den Xanthophyllen, einer Untergruppe der Carotinoide. Chemisch ist es mit anderen Carotinoiden verwandt, besitzt jedoch eine eigene Molekülstruktur mit sauerstoffhaltigen Gruppen.

Diese Struktur beeinflusst unter anderem seine Farbe und Löslichkeit. Astaxanthin ist fettlöslich und kein offiziell klassifiziertes Vitamin. Im menschlichen Körper wird es nicht in relevanter Menge selbst gebildet.

Welche Rolle spielt die Mikroalge Haematococcus pluvialis?

Haematococcus pluvialis ist eine im Süßwasser vorkommende Mikroalge. Unter günstigen Wachstumsbedingungen erscheint sie überwiegend grün. Bei veränderten Umweltbedingungen, beispielsweise hoher Lichtintensität oder begrenzter Nährstoffverfügbarkeit, kann sie größere Mengen Astaxanthin anreichern und eine rötliche Färbung entwickeln.

Für die Herstellung astaxanthinhaltiger Rohstoffe kann die kultivierte Algenbiomasse geerntet, getrocknet und weiterverarbeitet werden. Der Farbstoff kann dabei in unterschiedlichen Rohstoffformen vorliegen.

Warum sind Lachs und Garnelen rötlich?

Astaxanthin und verwandte Carotinoide werden innerhalb aquatischer Nahrungsketten weitergegeben. Kleine Organismen nehmen entsprechende Farbstoffe auf und dienen wiederum anderen Tieren als Nahrung.

Die rötliche Färbung von Lachs, Forelle, Garnelen und Krill hängt daher unter anderem mit eingelagerten Carotinoiden zusammen. Die Farbe allein ermöglicht jedoch keine genaue Bestimmung des Astaxanthingehalts. Dafür wären analytische Messungen erforderlich.

Was bedeuten Algenbiomasse und Oleoresin?

Astaxanthin aus Haematococcus pluvialis kann in unterschiedlichen Formen beschrieben werden:

  • Algenbiomasse: getrocknetes Material der kultivierten Mikroalge.
  • Algenmehl: gemahlene oder entsprechend verarbeitete Algenbiomasse.
  • Oleoresin: ein ölartiger Extrakt, der Astaxanthin und weitere fettlösliche Bestandteile enthalten kann.
  • Gesamtastaxanthin: die analytisch bestimmte Astaxanthinmenge innerhalb eines Rohstoffs.

Die Bezeichnung eines Rohstoffs und die tatsächlich enthaltene Astaxanthinmenge sind deshalb nicht identisch. Auch freie und an Fettsäuren gebundene, sogenannte veresterte Formen können unterschieden werden.

Natürliches und synthetisches Astaxanthin

Astaxanthin kann aus biologischen Quellen gewonnen oder synthetisch hergestellt werden. Je nach Herkunft können sich die Verteilung räumlicher Molekülformen und das Verhältnis freier zu veresterten Formen unterscheiden.

Die Bezeichnung „natürlich“ beschreibt zunächst die Herkunft. Sie stellt für sich genommen keine Aussage über eine gesundheitliche Wirkung, Qualität oder Eignung dar.

Was bedeutet „antioxidativ“ im wissenschaftlichen Zusammenhang?

Oxidation und Reduktion gehören zu normalen chemischen und biologischen Vorgängen. Astaxanthin kann in Labor- und Modellsystemen mit bestimmten reaktiven Molekülen wechselwirken. Solche Versuchsergebnisse werden häufig als antioxidative Aktivität bezeichnet.

Ein Ergebnis aus einem Labor- oder Modellsystem ist jedoch nicht automatisch mit einer nachgewiesenen Wirkung beim Menschen gleichzusetzen. Auch die Aufnahme eines Stoffes oder die Veränderung eines einzelnen Biomarkers belegt für sich genommen keinen klinischen Nutzen.

Was hat die EFSA bewertet?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat astaxanthinreiche Rohstoffe aus Haematococcus pluvialis im Zusammenhang mit dem europäischen Novel-Food-Recht bewertet.

Diese Bewertungen betreffen definierte Rohstoffe, Verwendungszwecke, Zielgruppen und Aufnahmemengen. Eine Sicherheitsbewertung oder Novel-Food-Zulassung ist von der Zulassung einer gesundheitsbezogenen Angabe zu unterscheiden.

Wie sind gesundheitsbezogene Angaben einzuordnen?

Gesundheitsbezogene Angaben für Lebensmittel werden in der Europäischen Union gesondert geregelt. In der geltenden allgemeinen Liste zugelassener gesundheitsbezogener Angaben ist keine spezifische Angabe für Astaxanthin enthalten.

Laboruntersuchungen, einzelne Humanstudien oder eine Novel-Food-Bewertung ersetzen keine Zulassung als Health Claim. Deshalb enthält dieser Beitrag keine Aussage über die Wirkung eines astaxanthinhaltigen Lebensmittels oder Produkts.

Fazit

Astaxanthin ist ein fettlösliches, rot-oranges Xanthophyll-Carotinoid. Eine bekannte natürliche Quelle ist die Mikroalge Haematococcus pluvialis. Über Nahrungsketten kann der Farbstoff außerdem in Fischen und Krebstieren vorkommen.

Algenbiomasse, Oleoresin und die tatsächlich enthaltene Astaxanthinmenge bezeichnen unterschiedliche Eigenschaften eines Rohstoffs. Wissenschaftliche Laborbefunde, Sicherheitsbewertungen und zugelassene gesundheitsbezogene Angaben müssen ebenfalls voneinander getrennt betrachtet werden.

Häufig gestellte Fragen

Ist Astaxanthin ein Vitamin?

Nein. Astaxanthin ist ein Carotinoid und gehört innerhalb dieser Stoffgruppe zu den Xanthophyllen.

Ist Astaxanthin dasselbe wie Beta-Carotin?

Nein. Beide Stoffe gehören zu den Carotinoiden, unterscheiden sich jedoch in ihrer chemischen Struktur und ihren Eigenschaften.

Enthält Lachs Astaxanthin?

Lachs kann Astaxanthin und verwandte Carotinoide über seine Nahrung aufnehmen und im Gewebe einlagern. Die enthaltene Menge kann je nach Art und Fütterung variieren.

Bedeutet eine kräftige rote Farbe automatisch einen hohen Astaxanthingehalt?

Nein. Die Farbe kann einen Hinweis geben, erlaubt ohne eine entsprechende Analyse jedoch keine genaue Mengenbestimmung.

Bestätigt eine EFSA-Sicherheitsbewertung eine gesundheitliche Wirkung?

Nein. Eine Sicherheitsbewertung untersucht definierte Verwendungsbedingungen. Gesundheitsbezogene Angaben unterliegen einem eigenständigen europäischen Zulassungsverfahren.

Wissenschaftliche Quellen

  1. Ambati RR et al. Astaxanthin: Sources, Extraction, Stability, Biological Activities and Its Commercial Applications. Marine Drugs. 2014.
  2. Shah MMR et al. Astaxanthin-Producing Green Microalga Haematococcus pluvialis. Frontiers in Plant Science. 2016.
  3. EFSA NDA Panel. Safety of astaxanthin for its use as a novel food in food supplements. EFSA Journal. 2020.
  4. EFSA NDA Panel. Safety of the extension of use of oleoresin from Haematococcus pluvialis containing astaxanthin. EFSA Journal. 2025.
  5. Europäische Kommission. EU Register of Health Claims.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen wissenschaftlichen Information, bezieht sich nicht auf ein konkretes Produkt und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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